Japan ist anders. Wo die künstlerische Moderne Europas den mutwilligen
Traditions-Bruchbetont,vollzieht der Ferne Osten eine behutsam-grazile Wendung, die das
Hergebrachte lieberkunstvollverwandelt, als daß sie mit ihm bricht. Die neue Ausstellung
"Black and White"der GalerieMarianne Heller in Kooperation
mit Yufuku Gallery, Tokyo mit Steinzeugskulpturen der Künstler Kanjirô
Moriyama und Fumio Matsutani macht jenes besondere Verhältnis
zur Herkunft auf höchstem Niveau anschaulich.
"White"
Als fügten sich dünne Keramikplatten zusammen, fast berührungslos, flüchtig nur
formbildend ?
so wirken die Arbeiten des 1984 in Koishiwara (ein Zentrum der Volkskunst-Töpferei)
geborenen, bis heute dort lebenden Kanjirô Moriyama. Nach Studien an
der
Arita Technical
High School und der Saga Universität blieb er zwar vorort, nicht aber der getöpferten
Gebrauchsware treu. Unter dem Einfluß einer avancierten zeitgenössischen Keramikkunst,
löste
er den gedrehten Gefäßkörper von aller Funktion, dekomponierte ihn und fügt ihn zu einer
eigengesetzlichen Komposition neu zusammen. Kanjirô Moriyama dreht aus einheimischen
Tonen
zunächst große Zylinderformen, die er sodann in Teile zerschneidet, um aus diesem
Plattenmaterial seine Objekte zu bilden. In mehreren hohen Bränden überzieht Mattglasur
die
nur scheinbar lose Konstruktion verfestigend ? bislang in Schwarz, hier nun in mattem
Weiß.
Ungeachtet seiner Jugend ist Kanjirô Moriyama für seine Arbeiten bereits vielfach
ausgezeichnet worden.
"Black"
Auch der 1975 in Tobe geborene Fumio Matsutani entstammt einem Ort alter
keramischer
Tradition, wo er zwar heute noch lebt, doch ohne die Produktion von Porzellangeschirr im
Familienbetrieb weiterzuführen. Nach dem Studium an der Kyoto Saga University of Arts
wandte
sich der Eigenwillige gänzlich einer keramischen Plastik zu, die einer ungewöhnlichen
Wirkungsästhetik folgt. Wie windgeschliffene Formen streben die großen, spitzovalen
Gebilde
mit weich schwingenden Kanten von kleiner Basis aufwärts. Eine Mischung schwarzbrauner,
stark reduzierter Eisenglasuren mattiert die Oberflächen, aber erst näheres Zusehen
bemerkt
die Textur aus feinsten Ritzlinien, die zudem allen Glanz hindert und die
Steinzeugobjekte
zu regelrechten Lichtschluckern, Modellen Schwarzer Löcher macht. Fumio Matsutani hat
sich,
als Gegenprogramm zum lichten Porzellan, das Steinzeug als Formmaterial gewählt, dem er
in
einem geradezu meditativen Arbeitsprozeß den gesamten Körper überziehende Ritzungen
zufügt.
Für das Werk beider Künstler gilt: Faszinierende handwerkliche Perfektion und formale
Eleganz, deren Zusammenspiel alles andere als traditionell ist und gleichwohl auf Tradition
basiert. Doch wie verschieden im Ergebnis: Eben " Black and White"!
Beispiele:
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